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Luxusauto-Diebstahl in 30 Sekunden: Pandora-Technologie und Methoden des Auto-Hackings
Nützliche Tipps

Luxusauto-Diebstahl in 30 Sekunden: Pandora-Technologie und Methoden des Auto-Hackings

26 Dez 2025 · Aktualisiert: 30 Dez 2025
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Zusammenfassung
  • Europol zerschlug europaweites Luxusauto-Hacking-Netzwerk; 31 Gruppenmitglieder festgenommen.
  • Pandora-Technologie ermöglicht Diebstahl in Sekunden per Relay-Attacken durch Hauswände.
  • Pandora-Gerät kostet rund 10.000 Euro und wird online als Auto-Diagnosewerkzeug verkauft.
  • Ziel waren schlüssel-lose Fahrzeuge zweier französischer Marken; Hersteller-Namen bleiben geheim.

Europäische Behörden haben kürzlich ein hochentwickeltes europaweites Netzwerk der Auto-Kriminalität zerschlagen, das sich auf den Diebstahl von Luxusfahrzeugen durch fortschrittliche elektronische Hack-Techniken spezialisiert hatte. Die Organisation entwickelte und verkaufte Softwarelösungen, die es ermöglichen, Fahrzeuge in wenigen Sekunden zu stehlen, ohne sichtbare Spuren eines Einbruchs zu hinterlassen.

Die groß angelegte Operation führte zur Festnahme von 31 Gruppenteilnehmern, darunter sowohl Entwickler der Software als auch Händler jener Ausrüstung auf dem Schwarzmarkt. Bei Durchsuchungen stellten die Sicherheitskräfte Hochleistungs-Software, spezialisierte Konnektoren und durch Diebstahl erlangte Vermögenswerte sicher.

Pandora-Technologie: Die geheime Waffe moderner Diebe

Dieses zentrale Gerät der Operation, Pandora genannt, ist eine extrem fortschrittliche Auto-Hacking-Technologie. Das auf dem Schwarzmarkt erhältliche Gerät kostet etwa 10.000 Euro und kann Autoschlüssel durch die Wände eines Hauses scannen und klonen, ohne dass der Besitzer den geringsten Verdacht schöpft.

Wie der Relay-Angriff funktioniert

Die Technik, bekannt als “relay attack” oder “Jaful în 30 de secunde” in der Originalsprache, nutzt Schwachstellen von Keyless-Entry-Systemen aus. Der Ablauf sieht wie folgt aus:

  • Die Frequenz des Autoschlüssels durch die Wände des Hauses scannen
  • Schnelle Klonung des elektronischen Signals
  • Türen öffnen und den Motor starten, ohne den Originalschlüssel
  • Das Fahrzeug wird in maximal 30 Sekunden gestohlen

Europol bestätigte, dass die Täter insbesondere Fahrzeuge ohne Schlüssel von zwei französischen Marken ins Visier nahmen, obwohl die Herstellernamen aus Sicherheitsgründen nicht veröffentlicht wurden.

Kriminelle Infrastruktur und Verteilung der Ausrüstung

Die organisierte Kriminelle Struktur war auf den Verkauf der Hacking-Ausrüstung ausgerichtet:

  • Entwickler: Sie entwickelten die Software und passten die Geräte an verschiedene Automodelle an
  • Vertreiber: Ein Netzwerk von zehn aktiven Händlern in Europa
  • Online-Verkäufe: Eine dedizierte Website, die die Geräte als “Auto-Diagnosewerkzeuge” präsentierte

Das Komplettpaket einschließlich Tablet, Konnektoren und Software wurde unter dem Deckmantel legitimer Auto-Diagnosewerkzeuge verkauft, was Erkennung und Verfolgung deutlich erschwerte.

Situation in Rumänien: Ein wachsendes Problem

Rumänien ist nicht immun gegen solche modernen Autoverbrechen. Die rumänischen Behörden haben bereits zwei lokale Gruppen entdeckt, die Pandora-Technologie auf nationalem Territorium nutzten. Diese Organisationen passten internationale Methoden an das lokale Umfeld an.

Ziel der gestohlenen Fahrzeuge

Die gestohlenen Fahrzeuge werden:

  • Schnell auf dem Schwarzmarkt weiterverkauft
  • Zur Löschung der Fahrgestellnummer bearbeitet
  • Sehr schwer wiederzufinden aufgrund der vorgenommenen Modifikationen
  • Oft in andere Länder transportiert, um die Verfolgung zu erschweren

Verwundbarkeiten der Keyless-Entry-Systeme

Moderne Fahrzeuge mit Keyless-Entry-Systemen gehören zu den anfälligsten Modellen für diese Angriffe. Die Technologie war zwar für Fahrerkomfort konzipiert, hat sich damit jedoch zu einem zentralen Sicherheitsrisiko entwickelt.

Ergebnisse der Sicherheitstests

Die Sicherheitstests der Fachzeitschrift What Car? zeigten alarmierende Schwachstellen verschiedener Modelle:

  • DS 3 Crossback: In 10 Sekunden gestohlen
  • Audi TT RS: In 10 Sekunden gestohlen
  • Land Rover Discovery: Zugriff in 20 Sekunden (aber nicht fahrbereit)
  • Land Rover Discovery Sport: Komplett gestohlen in 30 Sekunden
  • Mercedes A-Klasse: Gestohlen in 50 Sekunden
  • BMW X3 und Ford Fiesta: Gestohlen nach etwa einer Minute

Diese Ergebnisse zeigen, dass selbst als sicher geltende Fahrzeuge relativ zügig von erfahrenen Kriminellen kompromittiert werden können.

Schutzmaßnahmen und Empfehlungen

Sicherheitsexperten raten Eigentümern von Fahrzeugen mit Keyless-Systemen zu mehreren Präventionsmaßnahmen:

Physischer Schutz der Schlüssel

  • Die Schlüssel so weit wie möglich von der Eingangstür entfernt aufbewahren
  • Schutzhüllen verwenden: Aluminiumhüllen blockieren Radiosignale
  • Faraday-Kästen: Schlüssel in metallischen Kästen lagern, die elektromagnetische Signale isolieren

Zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen

  • Installation zusätzlicher Alarmsysteme
  • Verwendung mechanischer Diebstahlsicherungen (z. B. Lenkrad-Verriegelung)
  • Parken an gut beleuchteten und überwachten Orten
  • Regelmäßige Überprüfung der Sicherheitssysteme des Fahrzeugs

Entwicklung der Auto-Kriminalität im digitalen Zeitalter

Der Pandora-Netzwerk-Fall veranschaulicht die Entwicklung der Auto-Kriminalität im digitalen Zeitalter. Während Diebe früher auf rohe Gewalt und mechanische Fähigkeiten setzten, nutzen sie heute fortschrittliche Technologien und Programmierkenntnisse, um ihre Ziele zu erreichen.

Dieser Paradigmenwechsel zwingt sowohl Autohersteller als auch Behörden, ihre Sicherheitsstrategien ständig anzupassen, um wachsenden, zunehmend schwerer zu erkennenden Bedrohungen zu begegnen.