- Höherer sozialer Status führt zu aggressiverem Fahrverhalten gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern
- Fahrzeugmarke und Modell dienen als Statussignal und beeinflussen Wahrnehmung am Steuer
- Wahrgenommenes Fahrkönnen als Statussignal erhöht Aggressivität gegenüber Fahranfängern
- In Fahrschulauto-Situationen verschärfte sich Aggressionen von Fahrern mit höherem Status
Das Verhalten von Fahrern im Straßenverkehr wird maßgeblich von der Wahrnehmung des sozialen Status beeinflusst, wie Fachstudien zeigen. Forschungen belegen, dass Eigentümer teurer Fahrzeuge dazu neigen, am Steuer aggressiver zu agieren, insbesondere wenn sie mit billigeren Autos oder Fahrern mit wenig Erfahrung interagieren.
Diese Ergebnisse unterstreichen, wie Statussymbole das Verhalten im Verkehr färben und wie Vorurteile gegenüber Fahrzeugen bestimmter Preisklassen zu Konflikten führen können.
Erste Entdeckungen aus dem Jahr 1968
Im Jahr 1968 machten der Psychologe Anthony Doob und APS Fellow Alan E. Gross eine bemerkenswerte Beobachtung: Fahrer hupten wesentlich häufiger, wenn sie hinter einem älteren und günstigeren Auto feststeckten, verglichen mit Situationen, in denen das vorausfahrende Fahrzeug ein Luxusauto war. Seitdem haben mehrere Studien bestätigt, dass Fahrer teurer Autos deutlich eher unhöflich und aggressiv am Steuer agieren. Eine einfache Alltagsbeobachtung bestätigt diesen Trend – wie viele Luxusautos haben Sie gesehen, die auf Behindertenparkplätzen geparkt wurden?
Sozialer Status und Verhalten am Steuer
In einer neueren Studie identifizierten die Forschenden Amanda N. Stephens von der Monash University und John A. Groeger von der University of Hull neue Hinweise, die bestätigen, dass sozialer Status eine entscheidende Rolle dabei spielt, die Bereitschaft zu konfliktgeladenem Verhalten gegenüber anderen Fahrern zu erhöhen. Neben der sozioökonomischen Schicht, die anhand der Marke und des Modells des Fahrzeugs geschätzt werden kann, interpretieren Fahrer auch andere Signale, um die soziale Hierarchie am Steuer zu bestimmen.
Wahrnehmung der Fahrkünste als Indikator des Status
Ein solches Signal ist die Wahrnehmung der Fahrkompetenz des Fahrers. In vielen Ländern tragen Fahranfänger spezielle Aufkleber, die andere Verkehrsteilnehmer über ihren Mangel an Erfahrung informieren. Entgegen der Erwartungen, dass andere Fahrer geduldig und verständnisvoller seien, haben Stephens und Groeger genau das Gegenteil entdeckt: Fahrer sind viel eher geneigt, aggressiv auf Fahranfänger zu reagieren.
„Es scheint, dass Fahrer mit einem höheren sozialen Status eher bereit sind, sich für indisponiertes Verhalten zu entschuldigen, das keinen offensichtlichen Grund hat“, schreiben Stephens und Groeger. „Im Gegensatz dazu werden Fahrer, die das Fahren lernen, viel leichter für Situationen und Umstände verantwortlich gemacht, die sie nicht kontrollieren können.“
„In provokanten Wut-Situationen neigen Fahrer mit höherem sozialem Status dazu, sich gefährlich und aggressiv an die langsameren Autos vor ihnen heranzuziehen, und dieses Verhalten wurde in allen Situationen, in denen das vorausfahrende Auto ein Fahrschulauto war, verschärft“, erklären die Forscher.
Methodik der Experimente
Im Rahmen von zwei separaten Experimenten baten die beiden Forscher die Teilnehmer, durch ein Wohnviertel zu fahren, wobei sie einige Grundregeln befolgen. Während des Experiments trat Wut gegenüber anderen Fahrern auf, wenn das Fahrzeug im Experiment das Vorankommen der anderen behinderte. Manchmal fuhr das vorausfahrende Auto auffällig langsam, wodurch die Hinteren das Überholen behindert wurden. Andernfalls gab es einen berechtigten Grund, warum das vordere Auto langsam fuhr, zum Beispiel bei einem Unfall. In einem Experiment wurde ein billiges, heruntergekommenes Auto verwendet, während im anderen eine neue Ambulanz eingesetzt wurde. Während der Fahrt wurden die Teilnehmer gebeten, ihr aktuelles Wutniveau auf einer Skala von 1 bis 5 zu bewerten. Die Aggressivität des Fahrers wurde anhand einer Zunahme der Geschwindigkeit und des Tailgating gemessen – also dem Fahren sehr nahe hinter dem vorausfahrenden Fahrzeug, eine extrem gefährliche Praxis.
Ergebnisse der Studien
In beiden Experimenten berichteten die Fahrer, dass sie mehr Wut empfanden, nachdem sie hinter dem alten und heruntergekommenen Fahrzeug gefahren waren. Die Teilnehmer näherten sich stark sowohl den Autos mit Fahrschul- oder Anfängerkennzeichen als auch dem billigen Auto, hielten jedoch einen deutlich größeren Abstand zur Ambulanz.
Messbare physiologische Reaktionen
Die Teilnehmer zeigten eine intensivere Wut und sogar messbare physiologische Erregung – die Herzfrequenz wurde während des gesamten Experiments überwacht – wenn das Fahrzeug, das sie langsamer machte, offensichtlich von einer Person mit einem niedrigeren sozialen Status geführt wurde. Diese physiologische Reaktion bestätigt, dass es nicht nur eine subjektive Wahrnehmung ist, sondern echte biologische Reaktionen auf stressige Verkehrssituationen.
Schlussfolgerungen
Die Daten beider Experimente liefern Belege dafür, dass, obwohl die aktuellen Verkehrssituationen ausreichen können, Wut zu verursachen, die Merkmale der Fahrer, die Verzögerungen verursachen, ebenso wichtig sind, wenn nicht sogar wichtiger als das, was tatsächlich passiert ist und zu langsamerem Fahren führt, so die Forscher. Diese Befunde deuten darauf hin, dass Vorurteile bezüglich des sozialen Status das Verhalten am Steuer signifikant beeinflussen und zu unterschiedlichen Behandlungen der Fahrer je nach wahrgenommener Fahrzeugmarke oder Fahrerfahrung führen. Das Verständnis dieser psychologischen Mechanismen kann dazu beitragen, effektivere Strategien der Verkehrserziehung zu entwickeln und die Aggressionen im Straßenverkehr zu reduzieren.
Referenzen
Doob, A. N. und Gross, A. E. (1968). Der Status des Frustrators als Hemmung der Hupreaktionen. The Journal of Social Psychology, 76(2), 213-218.
Stephens, A. N. und Groeger, J. A. (2014). Die Verfolgung langsamer Fahrer: Der Status des führenden Fahrers moduliert Wut und Verhaltensreaktionen des Fahrers und entlastet die Schuld. Transportation Research Part F: Traffic Psychology and Behaviour, 22, 140-149. doi: 10.1016/j.trf.2013.11.005
Fotoquelle: psychologicalscience.org