- Fahrzeugklasse wird durch P, LT, ST oder T angegeben.
- Breite, Profilhöhe und Bauart ergeben sich aus Codes: drei Ziffern, zwei Ziffern, Buchstabe.
- Reifenkonstruktion: R Radial, B Bias Belt, D Diagonal.
- Felgendurchmesser in Zoll muss zur Felge passen; Lastindex bestimmt Tragfähigkeit.
Reifen sind weitaus komplexer, als es auf den ersten Blick scheint, und gehören zu den kritischsten Bauteilen Ihres Fahrzeugs. Sie tragen nicht nur das Fahrzeuggewicht, sondern beeinflussen direkt Sicherheit, Komfort und Kraftstoffverbrauch. Das Verständnis der Markierungen und technischer Spezifikationen hilft Ihnen, bei der nächsten Reifenwahl die richtige Entscheidung zu treffen.
Wenn Sie neue Reifen kaufen, werden Sie bemerken, dass an der Seitenwand jedes Reifens ein Code aus Buchstaben und Ziffern vorhanden ist. Dieser Code enthält wesentliche Informationen über Größe, Leistung und technische Merkmale des Reifens.
Entschlüsselung des Reifenkennzeichens
Jedes Element im Reifenkennzeichen hat eine präzise Bedeutung und ist entscheidend für die Kompatibilität mit Ihrem Fahrzeug.
Fahrzeugklasse
Der erste Buchstabe gibt die Fahrzeugkategorie an, für die der Reifen bestimmt ist:
- P (Passenger) - Personenwagen
- LT (Light Truck) - Leichte Lastkraftwagen und große SUVs
- ST (Special Trailer) - Spezialanhänger
- T (Temporary) - temporäre Ersatzräder
Reifenbreite
Der erste Satz aus drei Ziffern bezeichnet die Breite des Reifens in Millimetern, von einer Flanke zur anderen. Beispiel: “215” bedeutet, der Reifen ist 215 mm breit. Diese Breite beeinflusst das Verhalten des Fahrzeugs direkt – breitere Reifen bieten eine größere Aufstandsfläche und bessere Haftung, können aber den Verbrauch erhöhen.
Querschnittsverhältnis (Profilhöhe)
Nach dem Schrägstrich folgt eine zweistellige Zahl, die die Höhe des Seitenwandprofils als Prozentsatz der Reifenbreite angibt. Beispiel: “55” bedeutet, dass die Höhe 55 % der Breite von 215 mm beträgt. Ein niedrigeres Profil (kleinere Zahl) sorgt für sportliches Handling, verringert aber den Komfort.
Aufbau des Reifens
Die folgende Buchstabe (in der Regel “R”) gibt die Bauart an:
- R (Radial) – am gebräuchlichsten, Schnüre verlaufen senkrecht zur Laufrichtung
- B (Bias Belt) – diagonale Aufbauweise
- D (Diagonal) – diagonale Bauweise, heute selten
Radialreifen sind Standard in der Industrie dank Vorteile wie gleichmäßigerer Verschleiß, geringerer Rollwiderstand und besser vorhersehbares Fahrverhalten.
Felgendurchmesser
Die nächste Zahl gibt den inneren Felgendurchmesser im Zoll an. Er muss exakt zur Felge passen. Übliche Größen sind:
- 15–16 Zoll für Kompaktwagen
- 17–19 Zoll für Mittelklasselimousine und SUV
- 20+ Zoll für Premium- und Sportfahrzeuge
Lastindex
Dieser Zahlenwert gibt das maximale Gewicht an, das der Reifen bei dem empfohlenen Druck tragen kann. Es ist entscheidend, Reifen mit einem passenden Lastindex für Ihr Fahrzeug zu wählen.
| Lastindex | Tragfähigkeit (kg) | Lastindex | Tragfähigkeit (kg) | Lastindex | Tragfähigkeit( kg) |
|---|---|---|---|---|---|
| 75 | 387 | 91 | 615 | 107 | 975 |
| 80 | 450 | 95 | 690 | 110 | 1060 |
| 84 | 500 | 100 | 800 | 115 | 1215 |
| 87 | 545 | 103 | 875 | 120 | 1400 |
Wichtig: Jeder Reifen muss etwa 25 % des Fahrzeuggewichts tragen, zuzüglich zusätzlicher Lasten (Motor auf der Vorderachse, Gepäck hinten).
Geschwindigkeitsindex
Der letzte Buchstabe im Kennzeichen gibt die maximale Geschwindigkeit an, für die der Reifen ausgelegt ist:
| Rating | Höchstgeschwindigkeit (km/h) | Typische Verwendung |
|---|---|---|
| Q | 160 | Winterreifen |
| S | 180 | Familienfahrzeuge |
| T | 190 | Standardfahrzeuge |
| H | 210 | Sportwagen |
| V | 240 | Hochleistungsfahrzeuge |
| W | 270 | Hochleistungsfahrzeuge |
| Y | 300 | Supersportwagen |
| Z | 240+ | Rennreifen |
Aufbau eines Reifens
Ein moderner Reifen ist ein Hochtechnologieprodukt, das aus mehreren Komponenten besteht, die zusammenarbeiten.
Wulst (Bead)
Die aus Stahlfäden gewebt in Gummi bestehende Wulst sichert die feste Verbindung des Reifens mit der Felge und das Abdichten der Luft. Die Steifigkeit der Wulst bestimmt auch die Montagekraft.
Karkasse
Die Grundstruktur des Reifens, aufgebaut aus mehreren Gewebeschichten oder metallischen Lagen. Moderne Materialien umfassen:
- Polyester – am häufigsten, bietet Flexibilität und Haltbarkeit
- Nylon – für Schlagfestigkeit
- Aramid – für Hochleistungsreifen
Gürtel
Schichten aus Stahl- oder Synthetikkabeln unter der Lauffläche, die dem Reifen Festigkeit und Stabilität geben. Der Gürtel verhindert Verformung bei hohen Geschwindigkeiten und verbessert die gleichmäßige Druckverteilung.
Seitenwand
Schützt die innere Struktur und bietet die notwendige Flexibilität zur Stoßdämpfung. Die Dicke und Zusammensetzung beeinflussen Komfort und Handling.
Lauffläche
Kontaktfläche mit der Straße, hergestellt aus komplexen Gummimischungen. Design und Profiltiefe bestimmen die Leistung unter verschiedenen Bedingungen.
Saisonale Reifentypen
Die Wahl des passenden Reifentyps für die jeweilige Saison ist entscheidend für Sicherheit und Leistung.

Sommerreifen
Für Temperaturen über 7 °C optimiert, bieten sie:
- Härtere Gummimischung für Hitzebeständigkeit
- Große Profilblöcke für Trockenhaftung
- Breite Rillen zur Wasserableitung
- Präzises Verhalten bei hohen Geschwindigkeiten
Winterreifen
Spezial entwickelt für Winterbedingungen:
- Weiche Gummimischung, bleibt auch bei niedrigen Temperaturen flexibel
- Lamellen (Sipes) für Haftung auf Eis
- Aggressives Profil für Traktion im Schnee
- Überlegene Leistung unter 7 °C
Ganzjahresreifen
Ganzjahresreifen stellen einen Kompromiss dar:
- Gummi-Mischung für ein breites Temperaturfenster
- Moderates Profil für Mischbedingungen
- Praktisch im gemäßigten Klima
- Leistungsniveau akzeptabel, aber nicht hervorragend in Extremen
Bedeutung des richtigen Reifendrucks
Der Reifendruck beeinflusst direkt Sicherheit, Lebensdauer und Kraftstoffeffizienz.

Auswirkungen falschen Reifendrucks:
Unzureichender Druck:
- Vergrößerte Verschleißzonen am äußeren Rand
- Höherer Kraftstoffverbrauch
- Risiko von Überhitzung
- Instabiles Verhalten in Kurven
Zu hoher Druck:
- Verschleiß in der Reifenmitte
- Weniger Komfort
- Verminderte Haftung
- Höheres Risiko von Beschädigungen bei Stößen
Prüfung des Reifendrucks
Der Druck sollte geprüft werden:
- Wöchentlich oder vor längeren Fahrten
- Wenn die Reifen kalt sind
- Gemäß den Herstellerangaben (nicht dem maximalen Druck auf dem Reifen)
- Einschließlich Reserverad
Mechanik des Rollens
Das Verständnis der Rollphysik hilft, die Komplexität der Reifen zu schätzen.

Rollwiderstandskoeffizient (RRC)
Die zur Fortbewegung benötigte Kraft hängt ab von:
- Fahrzeuggewicht
- Rollwiderstandskoeffizient des Reifens (typisch 0,008–0,015)
- Untergrundtyp (Asphalt vs. Boden vs. Sand)
- Reifendruck
Wärmeentwicklung
Beim Rollvorgang erzeugen Reifen Wärme durch:
- Zyklische Verformung der Karkasse
- Reibung mit der Fahrbahn
- Biegen der Seitenwände
Zu viel Wärme kann zu einer vorzeitigen Materialdegradation führen.
Häufige Probleme und Reifenverschleiß

Muster des Verschleißes und deren Ursachen:
Verschleiß in der Mitte:
- Ursache: zu hoher Luftdruck
- Lösung: Reduzieren Sie den Druck auf die empfohlenen Werte
Verschleiß an den Seitenrändern:
- Ursache: zu niedriger Luftdruck
- Lösung: richtigen Druck aufpumpen und regelmäßig prüfen
Verschleiß an einer Seite:
- Ursache: Radaufhängung oder Achsvermessung nicht korrekt
- Lösung: Achsvermessung und Werkstattprüfung der Fahrwerksgeometrie
Unregelmäßiger Verschleiß:
- Ursache: Unwucht der Räder oder Probleme an der Aufhängung
- Lösung: Auswuchten und Überprüfung der Aufhängung
Wann Reifen gewechselt werden sollten
Verschleißanzeiger:
- Profiltiefe unter 1,6 mm (rechtliche Grenze)
- Sichtbare Verschleißanzeiger
- Risse in der Seitenwand
- Verformungen oder Aufblähungen
- Alter über 6 Jahre (unabhängig vom Verschleiß)
Typische Lebensdauer:
- 40.000–80.000 km für Standardreifen
- 60.000–100.000 km für Premiumreifen
- Einflussfaktoren: Fahrstil, Pflege, Streckenbedingungen
Herstellergarantien
Beim Kauf neuer Reifen erhalten Sie Garantien für:
- Herstellungsfehler (in der Regel 4–6 Jahre)
- Garantierte Laufleistung (ca. 40.000–160.000 km)
- Gleichmäßiger Verschleiß (unter spezifischen Wartungsbedingungen)
Tipps zur Maximierung der Lebensdauer
- Regelmäßige Rotation – alle 8.000–10.000 km für gleichmäßigen Verschleiß
- Drucküberprüfung – wöchentlich oder monatlich
- Achvermessung – jährlich oder beim Reifenwechsel
- Auswuchten – bei der Montage neuer Reifen
- Visuelle Inspektion – auf Beschädigungen oder Fremdkörper
- Vorausschauendes Fahren – abrupte Beschleunigungen und Bremsungen vermeiden
Das Verständnis dieser technischen Aspekte hilft Ihnen, informierte Entscheidungen zu treffen und die Sicherheit sowie die Effizienz Ihres Fahrzeugs zu maximieren. Reifen sind Ihre Investition in Sicherheit – sparen Sie nicht an diesem kritischen Bauteil.