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Audi quattro-Antrieb: Funktionsweise, Defekte und Zuverlässigkeit
Nützliche Tipps

Audi quattro-Antrieb: Funktionsweise, Defekte und Zuverlässigkeit

26 Dez 2025 · Aktualisiert: 30 Dez 2025
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Zusammenfassung
  • Audi quattro nutzt seit Jahrzehnten aktive Differentiale und Drehmomentvektorisierung.
  • Ursprünglich 50/50-Verteilung, später Torsen-Differenzial mit Umverteilung bis 75%.
  • Mehrscheibenkupplung (1998) koppelt automatisch vorn und hinten bei Haftungsverlust.
  • Zentraldifferenzial seit 2005: 40/60 vorne/hinten, Vorne bis 60%, Hinten bis 80%.

Das Audi quattro-Antriebssystem gilt als eine der fortschrittlichsten Technologien der Automobilindustrie und kommt in etwa einem Drittel aller Fahrzeuge der Marke zum Einsatz. Diese Technologie hat das Konzept des Allradantriebs revolutioniert und bietet ein ausgewogenes Verhältnis von Leistung, Sicherheit und Effizienz.

Im Laufe der Jahrzehnte hat sich quattro von einem einfachen 50/50-Verteilungssystem zu komplexen Technologien mit aktiven Differentialen und Drehmomentvektorisierung entwickelt. Jede Generation brachte deutliche Verbesserungen bei Haftung, Stabilität und Fahrspaß.

Funktionsprinzip des quattro-Antriebs

Das quattro-Allradsystem kann permanent oder entkoppelt sein, abhängig von Modell und Generation des Fahrzeugs. Das ursprüngliche System war sehr einfach – die Leistung wurde gleich verteilt, jeweils 50 % auf Vorder- und Hinterachse, ohne Möglichkeit einer dynamischen Anpassung.

Technologische Entwicklung des quattro-Systems

Torsen-Differenzial – Die erste Revolution

Im Herbst 1986, mit der Einführung des Modells Audi 80, wurde das zentrale Torsen-Differenzial eingeführt. Der Name stammt von der Verbindung der englischen Wörter “torque” (Drehmoment) und “sensing” (Erkennung) und beschreibt die Funktion dieser Komponente.

Eigenschaften des Torsen-Differenzials:

  • Standardverteilung: 50 % vorne, 50 % hinten
  • Umverteilungsfähigkeit: bis zu 75 % zur Achse mit besserer Haftung
  • Automatische Sperrung bei maximaler Belastung
  • Automatische Entsperrung, wenn der Fahrer das Gaspedal loslässt
  • Manuelle Sperrung durch ein elektro-pneumatisches System

Dieses Differentialtyp ist ideal für Fahrzeuge mit longitudinalem Motor und reagiert schnell und effizient auf Haftungsverlust.

Mehrscheibenkupplung – Lösung für Quermotoren

Im Jahr 1998 entwickelten Audi-Ingenieure für Fahrzeuge mit transversalem Motor und kompakteren Abmessungen das Mehrscheibenkupplungssystem, elektronisch und hydraulisch gesteuert. Diese Technologie brachte folgende Vorteile:

  • Die Kupplung sitzt am Ende der Kardanantriebswelle vor dem Hinterachsdifferenzial
  • Unter normalen Bedingungen wird die Leistung nur auf die Vorderachse übertragen
  • Sensoren erkennen den Haftungsverlust und koppeln automatisch zwischen Vorder- und Hinterachse
  • Schnelle Reaktion auf Veränderungen der Straßenbedingungen

Zentraldifferenzial – selbsthemmendes Zentraldifferenzial – Spitzenleistung

Nach 2005 führte Audi das selbsthemmende Zentraldifferenzial erstmals im RS4 der zweiten Generation ein. Dieses System brachte folgende Spezifikationen:

Verteilung der Leistung:

  • Normalbedingungen: 40 % vorne, 60 % hinten
  • Vorne Umverteilung bis zu 60 %
  • Hinten Umverteilung bis zu 80 %
  • Integriert in das Verteilergetriebe (neuere Modelle)

Dieses System bietet ein sportlicheres Fahrverhalten und wird bevorzugt für Fahrzeuge mit Leistungsorientierung gewählt.

Spezielle Konfigurationen – Beispiel R8

Der Supersportwagen R8 verwendet eine einzigartige Konfiguration, die auf den Mittelmotor abgestimmt ist und das hinter dem Motor positionierte Getriebe nutzt. Die Kardanantriebswelle läuft am Motor vorbei, um das Vorderdifferenzial zu erreichen, in einem äußerst engen Raum.

Eigenschaften des Systems beim R8:

  • Viskokupplung zur Steuerung der Kraftverteilung
  • Standardverteilung: 85 % hinten, 15 % vorne
  • Verhalten ähnlich dem Heckantrieb unter normalen Bedingungen
  • Automatisches Eingreifen bei Bedarf für maximale Haftung

Sportdifferenzial – Spitzentechnologie

Seit 2008 debütierte im S4 das Sportdifferenzial; es bringt folgende Vorteile:

Technische Merkmale:

  • Trennung des Drehmoments zwischen den Hinterrädern
  • Reaktionszeit: einige Hundertstelsekunden
  • Vollständige elektronische Steuerung
  • Genaue Berechnungen zur Optimierung der Haftung

Vorteile beim Fahren:

  • Eliminierung des Untersteu-Verhaltens in schnellen Kurven
  • Verteilung der Leistung auf das Rad außerhalb der Kurve
  • Verbesserte Stabilität beim Beschleunigen in Kurven
  • Gefühl, als würde man auf Schienen fahren

Kronrad-Differenzial – letzte Generation

Die neueste Evolution des quattro-Systems verwendet ein Kronrad-Differenzial, das nur für Allradfahrzeuge mit longitudinalem Motor verfügbar ist.

Leistungsmerkmale:

  • Der bisher effizienteste Drehmomentausgleich
  • Bis zu 85 % der Leistung können auf die Hinterachse übertragen werden
  • Bis zu 70 % auf die Vorderachse bei Verlust der Haftung hinten
  • Ausgerüstet mit Torque Vectoring System in RS5, A7 Sportback und A6

Torque-Vektorierung – individuelle Steuerung der Räder

Das Torque-Vectoring-System repräsentiert den Höhepunkt der quattro-Technologie:

  • Wirkt individuell auf jedes Rad
  • Unmerkliche Bremsung zur Wiederherstellung der Traktion
  • Automatische Optimierung der Leistungsverteilung
  • Verbesserung von Stabilität und Agilität

Zuverlässigkeit des quattro-Systems

Die quattro-Antriebssysteme sind bekannt für ihre hohe Zuverlässigkeit, vorausgesetzt, Wartungsintervalle werden eingehalten. Die Hauptkomponenten, die besondere Aufmerksamkeit benötigen, sind:

Wartungspunkte:

  • Wechsel des Differenzialöls gemäß den empfohlenen Wartungsintervallen
  • Prüfung des Zustands der Mehrscheibenkupplung (falls vorhanden)
  • Kontrolle der Haftungssensoren und ABS
  • Inspektion der Kardangelenke und Gelenke

Häufige Probleme:

  • Verschleiß der Mehrscheibenkupplung bei hohen Kilometerständen
  • Ausfälle der Raddrehzahlsensoren
  • Ölverluste aus Differenzialen bei älteren Fahrzeugen
  • Probleme mit elektronischen Aktuatoren in fortschrittlichen Systemen

Auswirkungen auf den Kraftstoffverbrauch

Das quattro-System beeinflusst den Kraftstoffverbrauch in einem vernünftigen Maß:

Faktoren, die den Verbrauch erhöhen:

  • Zusätzliche Masse der Komponenten (ca. 50–70 kg)
  • Innere Reibungsverluste der Differenziale
  • Verluste bei der Kraftübertragung auf alle Räder
  • Häufigere Aktivierung bei schwierigen Straßenbedingungen

Verbrauchserhöhung:

  • Kompakte Modelle: 0,3–0,5 l/100 km
  • Große Modelle: 0,5–0,8 l/100 km
  • Variabel je Fahrstil und Straßenzustand

Aus praktischer Erfahrung überwiegen die Sicherheits- und Leistungsbenefits deutlich den geringen Nachteil eines leicht erhöhten Verbrauchs.

Empfehlungen für Eigentümer

Um das quattro-System in optimalen Parametern zu halten:

  1. Präventive Wartung: Halten Sie sich an die empfohlenen Wartungsintervalle für alle Flüssigkeiten
  2. Gleichte Reifen: Verwenden Sie Reifen desselben Typs und Abnutzung an allen Rädern
  3. Vorsichtiges Fahren: Vermeiden Sie extreme Belastungen ohne vorheriges Aufwärmen
  4. Regelmäßige Diagnose: Prüfen Sie die Funktionsfähigkeit der Sensoren durch spezialisierte Tests
  5. Autorisierter Service: Wenden Sie sich an Fachbetriebe für komplexe Reparaturen