- Bremscheiben rosten durch Oxidation von Eisen bei Feuchtigkeit und Sauerstoff
- Korrosionsschutzschichten nutzen sich durch Bremskontakt ab und schützen nur bedingt
- Carbon-Keramik-Scheiben rosten nicht, kostenintensiv; keramische Beschichtungen bieten Rostschutz
- Überdachter Abstellplatz reduziert Regenkontakt und Rost deutlich; regelmäßige Fahrt verhindert Rostansatz
Rost an Bremscheiben ist ein verbreitetes Problem bei Fahrzeugen. Zwar ist eine geringe Menge oberflächen Rosts meist unbedenklich, doch das Verständnis der Ursachen und vorbeugender Maßnahmen hilft, das Bremssystem in optimalem Zustand zu halten. Ob Sie eine orangefarbene Schicht nach mehreren Tagen Regen bemerken oder sich um den Langzeitzustand der Bremskomponenten sorgen – es ist wichtig zu wissen, wann Rost tatsächlich problematisch wird und wie man ihn effizient kontrolliert.
Warum rosten Bremscheiben?
Bremscheiben sind wesentliche Bestandteile des Bremssystems, die ständig der Außenwelt ausgesetzt sind. Meist aus Gusseisen oder Stahl gefertigt, sind diese Bauteile korrosionsanfällig aufgrund ihrer metallischen Zusammensetzung. Wenn Eisen in den Scheiben mit Sauerstoff und Feuchtigkeit in der Luft in Kontakt kommt, setzt Oxidation ein – Rost entsteht.
Autohersteller sind sich dieser Verwundbarkeit bewusst, weshalb viele Bremscheiben ab Werk mit einer Korrosionsschutzbeschichtung ausgeliefert werden. Das Problem ist, dass diese Schicht durch die ständige Reibung zwischen Bremsbelägen und Scheiben schnell abgetragen wird und zu feinem Staub führt, der auf die Felgen fällt. Sobald der initiale Schutz verschwindet, bleibt das Eisen exponiert und rostgefährdet.
Zu den Faktoren, die den Rostprozess beschleunigen, gehören:
- Hohe Luftfeuchtigkeit
- Regenwasser, das sich auf den Scheiben sammelt
- Plötzliche Temperaturwechsel, die Kondensation verursachen
- Lange Standzeiten des Fahrzeugs
- Streusalz auf Winterstraßen
- Parken im Freien
Wie Sie Rost an Bremscheiben vorbeugen
Scheiben aus alternativen Materialien
Die effektivste, aber auch kostenintensivste Lösung ist der Einbau von Scheiben aus Materialien, die nicht rosten. Carbon-Keramik-Bremsscheiben verhindern Rost vollständig, da kein Eisen enthalten ist. Sie werden vor allem an Hochleistungssportwagen verwendet, dank ihrer außergewöhnlichen Beständigkeit gegen hohe Temperaturen und geringem Gewicht.
Eine weitere fortschrittliche Technologie sind Scheiben mit keramischer Beschichtung, wie Porsche Surface Coated Brake. Diese Scheiben haben eine Gusseisenbasis, die mit Wolframcarbid beschichtet ist – ein extrem harter Werkstoff, der zusätzlichen Korrosionsschutz bietet. Weitere Vorteile umfassen reduzierten Bremsgeräuschpegel, längere Lebensdauer und weniger Bremsstaub.
Beeinflussung von Umweltfaktoren
Auch wenn Sie die Luftfeuchtigkeit nicht vollständig eliminieren können, lässt sich die Exposition der Scheiben gegenüber rascher Rostbildung deutlich senken:
- Überdachter Abstellplatz: Eine trockene Garage schützt die Scheiben vor Regen und verlangsamt Rostentwicklung erheblich
- Regelmäßige Fahrt: Häufige Nutzung hält die Scheiben sauber und verhindert Rostansatz
- Vermeidung langer Standzeiten: Falls das Fahrzeug längere Zeit stillsteht, starten Sie den Motor periodisch
Schutzhüllen und Beschichtungen
Viele Autohäuser bieten Reparatur- oder Beschichtungsdienste an, um Bremsscheibenpartien zu schützen. Dabei wird der äußere Konturrand und Bereiche, die nicht direkt mit den Bremsbelägen in Kontakt stehen, geschützt. Wichtiger Hinweis: Die reibende Bremsfläche darf nicht lackiert werden, da dies die Bremsleistung und die Wärmeabfuhr beeinträchtigen würde.
Eine Farbbeschichtung kann eine Barriere gegen Feuchtigkeit bieten und optisch ansprechend wirken. Sie schützt jedoch nicht die freiliegende Gusseisenfläche; die Kontaktflächen zu den Belägen werden nach wie vor rosten, unabhängig davon, wie gut der restliche Scheibenrand geschützt ist.
Wann Rost zu einem ernsthaften Problem wird
Oberflächlicher Rost vs. fortgeschrittene Korrosion
Eine dünne, orangefarbene Rostschicht auf der Scheibenoberfläche ist normal und in der Regel kein Grund zur Sorge. Sie bildet sich schnell, wenn das Auto einige Tage bei hoher Luftfeuchtigkeit steht. Sichtbar wird sie meist durch ein kurzes Quietschen beim ersten Bremsen, das nach mehrmaligem Bremsen verschwindet.
Problematisch wird Rost, wenn:
- er tief in das Scheibenmaterial eindringt
- Narben, Vertiefungen oder sichtbare Risse entstehen
- er sich auf Beläge, Bremssättel oder Bremsleitungen ausbreitet
- er vibrierende oder anhaltende Geräusche beim Bremsen verursacht
- die Bremsleistung merklich abnimmt
Folgen ungepflegter Rostbildung
Korrosion ist eine chemische Reaktion, die Eisen in Eisenoxid verwandelt und dabei Material der Scheibe abbaut. Bei fortschreitender Schädigung führen Rost und Materialverlust zu:
- Verringerung der Scheibendicke: Die Oberfläche wird ungleich dünner, was zu schwachen Bereichen führt
- Festfressen der Bremssattelführungen: Rost kann sich auf Kolben und Führungselemente ausbreiten
- Beschädigung der Beläge: Unregelmäßige Oberflächen verschleißen Beläge ungleich
- Beeinträchtigung der Leitungen: Korrosion kann zu Lecks in Bremsleitungen führen
In fortgeschrittenen Stadien ist Ihre Fahrsicherheit beeinträchtigt. Ein rostsensibles Bremssystem kann nicht mehr den normalen Bremsweg sicher gewährleisten.
Wie Sie Rost von Bremscheiben entfernen
Natürliche Methode: Bremsen verwenden
Der einfachste Weg, oberflächlichen Rost zu beseitigen, besteht darin, das Bremssystem zu nutzen. Reibung zwischen Belägen und Scheibe entfernt Rostschicht rasch und hinterlässt eine saubere Metalloberfläche.
Schritte zur Rostentfernung durch Bremsen:
- Suchen Sie eine Straße mit wenig Verkehr oder eine ruhige Feldwegstrecke
- Beschleunigen Sie auf eine moderate Geschwindigkeit (etwa 50–60 km/h)
- Bremsen Sie stark, aber kontrolliert, ohne die Räder zu blockieren
- Wiederholen Sie den Vorgang 5–10 Mal
- Visuell prüfen, ob der Rost verschwunden ist
Achtung: Diese Methode funktioniert nur für frischen, superficiel Rost. Versuchen Sie nicht, fortgeschrittenen Rost durch starkes Bremsen zu entfernen, da Sie Scheiben oder Beläge weiter beschädigen könnten.
Spezielle chemische Produkte
Wenn Rost nach der natürlichen Methode bestehen bleibt, können Sie spezielle Bremsreiniger verwenden. Sie sind in jedem Autozubehörhandel erhältlich und sicher formuliert, um Folgendes zu entfernen:
- Ansammlung von Bremsstaub
- Öle und Fette
- Oberflächlicher und mittlerer Rost
- Rückstände auf Belägen
Anwendung:
- Heben Sie das Auto an, entfernen Sie das Rad
- Reinigen Sie die Fläche mit einer weichen Bürste von Staub
- Sprühen Sie das Reinigungsmittel gleichmäßig auf die Scheibe
- Lassen Sie es gemäß den Anweisungen wirken (typischerweise 5–10 Minuten)
- Wischen Sie mit einem sauberen Tuch ab oder spülen Sie mit Wasser
- Trocknen Sie vollständig, bevor Sie das Rad wieder montieren
Für hartnäckigeren Rost können Sie eine feine Scheuerschwamm oder feine Stahlwolle verwenden – mit großer Vorsicht, damit die Reibfläche nicht zerkratzt wird.
Schutz nach der Reinigung
Nach der Rostentfernung empfiehlt es sich, auf Bereiche, die nicht mit Bremsbelägen in Kontakt kommen, eine Schutzschicht aufzutragen. Dieser Schutz hilft, eine erneute Rostbildung zu verzögern. Nach dem Waschen des Fahrzeugs sollten Sie die Scheiben durch eine kurze Fahrt mit leichten Bremsen trocken entwickeln, um verbleibendes Wasser zu entfernen.
Wann Sie Bremscheiben ersetzen sollten
Auch wenn oberflächlicher Rost entfernt werden kann, gibt es Situationen, in denen Scheiben ersetzt werden müssen:
- Die Scheibendicke liegt unter dem vom Hersteller angegebenen Minimum
- Die Oberfläche weist Risse oder tiefe Kratzer auf
- Es gibt sichtbare Vertiefungen oder Verformungen
- Die Scheibe ist verzogen (mit einer Messuhr geprüft)
- Bremsen verursachen konstante Vibrationen
- Die Laufleistung überschreitet je nach Fahrstil 80.000–100.000 km
Der Austausch der Scheiben erfolgt immer paarweise an derselben Achse, um das Bremsverhalten ausgewogen zu halten. Außerdem wird empfohlen, die Bremsbeläge gleichzeitig zu wechseln, um das korrekte Einlaufen des Systems zu gewährleisten.
Fazit
Rost an Bremscheiben ist ein normales Phänomen, das Sie jedoch gut kontrollieren können. Regelmäßige Kontrollen, eine angemessene Nutzung des Fahrzeugs und geeignete Wartungsmaßnahmen helfen, eine schwere Korrosion zu verhindern. Denken Sie daran, dass das Bremssystem die wichtigste Sicherungskomponente Ihres Fahrzeugs ist – Investitionen in seine ordnungsgemäße Wartung können Leben retten.